Kurzantwort
Analyse zerlegt etwas in seine Teile und zeigt, wie es funktioniert. Evaluate beurteilt, wie gut, wichtig oder überzeugend es ist. Das IB definiert analyse als „break down in order to bring out the essential elements or structure“ und evaluate als „make an appraisal by weighing up the strengths and limitations“. Analyse fragt wie und warum. Evaluate fragt wie gut und was daraus folgt, und endet immer mit einem Urteil.
Was du lernst
- Analyse: Etwas auseinandernehmen und zeigen, wie die Teile zusammenhängen. Ein Urteil ist nicht nötig.
- Evaluate: Stärken gegen Grenzen abwägen und dann ein begründetes Urteil fällen.
- Die Analyse beantwortet wie und warum. Die Evaluation beantwortet wie gut, wie weit und was daraus folgt.
- Die meisten Evaluate-Antworten brauchen zuerst Analyse, aber Analyse allein bringt keine Punkte für das Urteil.
- Assess ist ein Urteilswort und gehört deshalb zu evaluate, nicht zu analyse.
Der Unterschied zwischen Analyse und Evaluation
Bei der Analyse geht es ums Verstehen. Du zerlegst ein Thema, einen Text, einen Datensatz oder ein Argument in seine Teile und zeigst, wie diese Teile zusammenwirken. Bei der Evaluation geht es ums Urteilen. Du entscheidest anhand von Kriterien und Belegen, wie gut, wirksam, verlässlich oder wichtig etwas ist, und sprichst das auch aus. Beide Fähigkeiten arbeiten mit demselben Material, enden aber an verschiedenen Stellen: Die Analyse endet mit einer Erklärung, wie etwas funktioniert, die Evaluation mit einem Urteil. Hier der Unterschied Punkt für Punkt.
- Zweck: Die Analyse erklärt, wie etwas funktioniert. Die Evaluation entscheidet, wie gut es funktioniert oder ob es überhaupt ins Gewicht fällt.
- Die Leitfrage: Die Analyse fragt, aus welchen Teilen etwas besteht, wie sie zusammenhängen und warum etwas geschieht. Die Evaluation fragt, wie stark, wie bedeutend, wie weit und im Vergleich womit.
- Ergebnis: Die Analyse liefert ein klares Bild der Struktur, der Ursachen oder der Zusammenhänge. Die Evaluation liefert ein Urteil mit Begründung.
- Typische Schritte der Analyse: trennen, ordnen, Ursache und Wirkung verknüpfen, einen Mechanismus nachzeichnen, ein Muster in Daten erkennen.
- Typische Schritte der Evaluation: Kriterien festlegen, Stärken gegen Grenzen abwägen, die Qualität der Belege prüfen, Alternativen vergleichen, entscheiden.
- Signalwörter für Analyse, falls du auf Englisch schreibst: because, this leads to, as a result, which means, this depends on (weil, das führt zu, infolgedessen, das bedeutet, das hängt davon ab).
- Signalwörter für Evaluation: more significant than, this is limited by, only holds when, on balance, therefore overall (bedeutender als, das wird begrenzt durch, gilt nur, wenn, alles in allem, insgesamt also).
- Abhängigkeit: Eine Analyse kann für sich stehen. Eine Evaluation baut fast immer auf einer Analyse auf, denn du kannst etwas erst gut beurteilen, wenn du verstehst, wie es funktioniert.
- Denkniveau: In der überarbeiteten Taxonomie nach Bloom (erinnern, verstehen, anwenden, analysieren, bewerten, erschaffen) ist Analysieren die vierte und Bewerten die fünfte Stufe.
- Im IB: Der Psychology Guide zum Beispiel ordnet analyse dem Assessment Objective 2 zu, application and analysis (Anwendung und Analyse), und evaluate dem Assessment Objective 3, synthesis and evaluation (Synthese und Bewertung).
Profi-Tipp
Schnelltest: Lies nur dein Fazit. Steht dort, wie etwas funktioniert, hast du analysiert. Steht dort, wie gut, wichtig oder überzeugend etwas ist und warum, hast du evaluiert.
Was analyse bedeutet
Das IB-Glossar der Command Terms, abgedruckt in den Subject Guides des Diploma Programme, definiert analyse als „break down in order to bring out the essential elements or structure“: etwas zerlegen, um die wesentlichen Elemente oder die Struktur herauszuarbeiten. Im allgemeinen Englisch wird das Wort genauso verwendet: etwas genau untersuchen, indem man es in seine Teile zerlegt. Im amerikanischen Englisch schreibt man analyze, die Bedeutung bleibt gleich. Ziel der Analyse ist es zu zeigen, wie etwas aufgebaut ist und warum es sich so verhält. Ob das Ergebnis gut oder schlecht ist, wird nicht gefragt. So analysierst du gut:
- Zerlege das Thema in Komponenten: Ursachen, Faktoren, Beteiligte (Stakeholder), Phasen, Techniken oder Variablen.
- Zeig die Beziehungen zwischen ihnen: welcher Faktor welchen antreibt, was wovon abhängt, woher ein Muster in den Daten kommt.
- Nutze Belege, um jede Verbindung nachzuweisen, nicht als Dekoration im Absatz.
- Binde jeden Teil an den Fokus der Frage und lass Teile weg, die nichts dazu beitragen.
- Gliedere die Absätze nach den Teilen, die du herausgearbeitet hast, nicht nach der Reihenfolge der Ereignisse oder deiner Notizen.
Wichtig
Der häufigste Fehler bei der Analyse ist Beschreibung. Ereignisse nacherzählen, eine Theorie wiedergeben oder Werte aus einem Diagramm ablesen ist Beschreiben, egal wie lang es wird. Analyse beginnt dort, wo du zeigst, wie eine Sache mit einer anderen zusammenhängt.
Was evaluate bedeutet
Das IB definiert evaluate als „make an appraisal by weighing up the strengths and limitations“: eine Bewertung vornehmen, indem du Stärken und Grenzen gegeneinander abwägst. Englische Exam Boards sehen das ähnlich: AQA definiert evaluate nach der Ofqual-Liste der Command Words als „judge from available evidence“, also anhand der vorliegenden Belege urteilen. Im allgemeinen Sprachgebrauch heißt evaluieren, den Wert, die Qualität oder die Bedeutung von etwas zu beurteilen. Jede Evaluation hat drei Teile: Kriterien (was hier als gut, wirksam oder wichtig gilt), Abwägung (die Belege dafür und dagegen) und ein Urteil (dein Ergebnis und der Grund, warum es überwiegt). So evaluierst du gut:
- Leg deine Kriterien früh fest: Wirksamkeit, Verlässlichkeit, Validität, Bedeutung, Kosten, Ethik, kurzfristig gegen langfristig oder die Wirkung auf verschiedene Gruppen.
- Wäge Stärken gegen Grenzen mit Belegen ab und sag, welche schwerer wiegen.
- Prüf die Bedingungen: Für wen funktioniert es, wann und unter welchen Annahmen?
- Komm zu einem klaren Urteil, das die gestellte Frage beantwortet, und erkläre, warum diese Seite überwiegt.
Wichtig
Eine Liste mit Vorteilen und danach eine Liste mit Nachteilen ist noch keine Evaluation. Die Punkte für die Evaluation gibt es für das Abwägen und für das Urteil, zu dem du kommst.
Beispiele: dasselbe Thema analysiert und dann evaluiert
Am deutlichsten wird der Unterschied, wenn du ein Thema auf beide Arten beantwortest. Die folgenden Fragen sind für diesen Leitfaden formuliert und keine Zitate aus Past Papers, verwenden die Command Terms aber so, wie Prüfungsfragen es tun.
- Wirtschaft (Economics), analyse: „Analyse the effect of a rise in interest rates on aggregate demand.“ Du zeichnest die Kette nach: Höhere Kreditkosten senken Konsum und Investitionen, eine stärkere Währung kann die Nettoexporte senken, also sinkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage (aggregate demand). Du zeigst den Mechanismus, meist mit einem AD/AS-Diagramm, und hörst dann auf.
- Wirtschaft, evaluate: „Evaluate the use of higher interest rates to reduce inflation.“ Du nutzt dieselbe Kette, wägst sie jetzt aber ab: Wirkungsverzögerungen, wie viele Kredite von Haushalten und Unternehmen variabel verzinst sind, ob die Inflation von der Nachfrage oder von steigenden Kosten kommt, und das Risiko für Wachstum und Beschäftigung. Am Ende steht ein Urteil, zum Beispiel: Das Instrument wirkt am besten gegen nachfrageinduzierte Inflation (demand-pull) und ist gegen kosteninduzierte Inflation (cost-push) langsam und teuer.
- Geschichte (History), analyse: „Analyse the causes of the First World War.“ Du trennst langfristige Ursachen wie das Bündnissystem, Militarismus, imperiale Rivalität und Nationalismus vom Auslöser, dem Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand im Juni 1914, und zeigst, wie sie zusammenwirkten, sodass aus einer regionalen Krise ein allgemeiner Krieg wurde.
- Geschichte, evaluate: „Evaluate the importance of the alliance system in causing the First World War.“ Jetzt beurteilst du, wie viel Gewicht die Bündnisse im Vergleich zu anderen Faktoren haben, etwa mit der Frage, ob ein allgemeiner Krieg ohne sie wahrscheinlich gewesen wäre, und kommst zu einem Urteil über ihre relative Bedeutung.
- Biologie, analyse: Bei Daten zur Enzymaktivität bei verschiedenen Temperaturen erkennst du den Trend und die optimale Temperatur, erklärst den Rückgang der Aktivität oberhalb davon mit der Denaturierung des aktiven Zentrums und weist auf Ausreißer hin.
- Biologie, evaluate: „Evaluate the method used in this investigation.“ Du beurteilst die Methode: Wurden die Variablen kontrolliert, gab es genug Wiederholungen, wie groß sind die Unsicherheiten und wie weit folgen die Schlussfolgerungen aus den Daten? Am Ende stehen ein Gesamturteil und realistische Verbesserungen.
- Psychologie, analyse: Du zerlegst eine Theorie wie das Mehrspeichermodell des Gedächtnisses (multi-store model) und legst dar, welche Speicher es gibt, wie Informationen zwischen ihnen wandern und was jeder Teil über das Vergessen vorhersagt.
- Psychologie, evaluate: „Evaluate the multi-store model of memory.“ Du wägst seine Stärken, etwa klare, überprüfbare Vorhersagen und Belege aus Fallstudien von Patienten mit Hirnschädigungen, gegen seine Grenzen ab, etwa dass es das Kurzzeitgedächtnis als einen einzigen Speicher behandelt, was das spätere Arbeitsgedächtnismodell (working memory model) in Frage stellte. Du schließt damit, wie nützlich das Modell heute noch ist.
- Literatur (English A oder German A), analyse: Du zeigst, wie Bildsprache, Aufbau und Klang eines Gedichts zusammen Bedeutung erzeugen, zum Beispiel wie ein Wechsel vom Präsens in die Vergangenheit eine veränderte Haltung des Sprechers markiert.
- Literatur, evaluate: Du beurteilst, wie wirksam diese Entscheidungen dem Zweck des Autors dienen, zum Beispiel ob ein mehrdeutiges Ende das Gedicht stärkt oder schwächt, und sagst, welche Lesart der Text besser stützt.
Profi-Tipp
Jedes Evaluate-Beispiel nutzt die Analyse weiter. Starke Evaluation ist Analyse plus Kriterien plus Urteil, nicht ein anderer Satz an Fakten.
Assess vs analyse, und Assessment vs Analysis
Assess ist ein Urteilswort. Es gehört zu evaluate, nicht zu analyse. Die Command-Word-Listen von AQA, die auf der Ofqual-Liste der englischen Exam Boards beruhen, definieren assess als „make an informed judgement“ (ein fundiertes Urteil fällen) und analyse als „separate information into components and identify their characteristics“ (Informationen in Bestandteile trennen und deren Merkmale bestimmen). In den Glossaren der IB-Diploma-Command-Terms, die wir geprüft haben, darunter das des Psychology Guide, kommt assess nicht vor. Wenn eine IB-Frage diese Art von Urteil verlangt, nutzt sie normalerweise evaluate, to what extent oder discuss.
- Analyse: zeigen, wie etwas funktioniert oder was es antreibt. Zum Beispiel: „Analyse the factors that affect the price of oil.“
- Assess: entscheiden, wie wichtig, wirksam oder zutreffend etwas ist. Zum Beispiel: „Assess the importance of OPEC in setting oil prices.“
- Assessment vs analysis (die Substantive): Ein assessment ist ein Urteil oder eine abgewogene Einschätzung, wie bei einer Risikobewertung (risk assessment). Eine analysis ist eine Zerlegung in Teile, wie bei einer Datenanalyse. Eine gute Einschätzung beruht meist auf einer Analyse.
- Assess vs evaluate: in der Bedeutung sehr nah beieinander. Beide brauchen Kriterien, Belege für mehr als eine Seite und eine Schlussfolgerung. Wenn du unsicher bist, beantworte eine Assess-Frage so, wie du eine Evaluate-Frage beantworten würdest.
So wird aus Analyse eine Evaluation
Die meisten, die bei Evaluate-Fragen Punkte verlieren, haben gut analysiert und dann aufgehört. Abhilfe schafft eine kurze Abfolge, die du auf jeden Absatz anwenden kannst.
- 1Zuerst analysieren: Stell den Mechanismus, die Ursachen oder die Struktur in wenigen knappen Sätzen dar.
- 2Das Kriterium nennen: Was heißt gut, wirksam oder wichtig bei dieser Frage? Sprich es aus.
- 3Den Punkt daran prüfen: Wie stark sind die Belege, wie groß ist die Wirkung, für wen und über welchen Zeitraum?
- 4Abwägen: Sag, welcher Punkt mehr zählt als die anderen und warum. Diesen Schritt lassen die meisten Antworten aus.
- 5Urteilen: Beende den Absatz mit einem Zwischenurteil, das die Frage beantwortet, und führ diese Urteile im Fazit zusammen.
Profi-Tipp
Schreib dein Urteil in den ersten Satz des Fazits, nicht in den letzten. Wenn du diesen Satz vor dem Schreiben nicht formulieren kannst, plane noch eine Minute länger.
Fehler, die Punkte kosten
Examiner bewerten anhand des Command Terms. Diese Muster halten Antworten am häufigsten aus den oberen Markbands heraus.
- Eine Evaluate-Frage nur mit Analyse beantworten: starke Erklärung, kein Urteil, also bleiben die Punkte für das Urteil leer.
- Evaluieren, wenn analysieren gefragt ist: Zeit für ein Urteil, das die Frage nicht verlangt hat, während die Verbindungen zwischen den Teilen dünn bleiben.
- Scheinbare Ausgewogenheit: drei Stärken, drei Schwächen, dann „es gibt Argumente für beide Seiten“. Das ist kein Urteil.
- Ein Urteil nur in der letzten Zeile: Wenn im Hauptteil nie etwas abgewogen wird, wirkt ein Urteil in einem Satz unbegründet.
- Allgemeine Evaluation: „mehr Forschung ist nötig“ oder „es kommt darauf an“, ohne zu sagen, worauf, oder warum das für diese Frage wichtig ist.
- Beschreiben und es Analyse nennen: Ereignisse erzählen oder eine Studie zusammenfassen, ohne zu zeigen, wie ihre Teile zusammenhängen.